Mit den Bienen durch das Jahr 2013-2015

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 1

 

Sehr verehrte Leser und Leserinnen, in den folgenden Ausgaben möchte ich Ihnen die Welt jenes Tieres näher bringen, das in der Wirtschaftlichkeit für Deutschland an Platz 3 steht – der Biene. Sie haben richtig gelesen, nach dem Rind und dem Schwein kommt nicht etwa das Geflügel, sondern die Biene. Und das liegt sicher nicht an dem Honig, von dem in Deutschland sowieso nur ein fünftel des Bedarfs erwirtschaftet wird.

Nein, den hohen ökonomischen Wert liefert die Biene über die Bestäubung von Pflanzen. So lieferte in einer Testplantage ein Birnbaum  ohne Bestäubung durch die Bienen 45kg, mit den Bienen 156kg Früchte im Jahr. Doch die Bienen bestäuben nicht nur Obstbäume – für fast alle blühenden Pflanzen gewährleistet die Biene die Fortpflanzung und erhält im Gegenzug den Nektar, den sie dann in mühevoller Arbeit zu Honig umwandelt.

Leider ist die Widerstandskraft dieses so wichtigen Tieres in den letzten 80 Jahren stark zurückgegangen und damit steigt die Bedrohung für unser Ökosystem und unsere Nahrungskette.

Aus diesem Grund möchte ich Sie für die Wunderwelt der Bienen begeistern und Ihnen im folgenden einen kurzen jahreszeitlichen Bezug zu diesem wichtigen Tierchen bringen.

Winterzeit – es ist kalt, vieler Orts liegt Schnee – doch die Bienen schlafen nicht. Mit einem feinen Ohr kann man an den Fluglöchern der Bienenkästen lauschen und ein feines Summen vernehmen. Das liegt daran, daß die Bienen auch bei Außentemperaturen von –20°C noch eine Temperatur im Stock von +25°C aufrecht erhalten. Dazu ziehen sie sich zu einer Traube zusammen und wechseln unter ständigem Vibrieren von außen nach innen. Beginnt dann ab Januar die Königin wieder mit dem Legen von Eiern muß die Wärmearbeit noch gesteigert werden, denn jetzt benötigt die Brut eine Temperatur von ca. 36°C. Der Imker wird sich in dieser Jahreszeit mit dem Verarbeiten von Wachs beschäftigen, das im Vorjahr angefallen ist. Hieraus entstehen dann die wunderbar duftenden Bienenwachskerzen, die einen mit ihrem Licht und ihrer honiggelben Farbe an die Sommersonne erinnern können. Bis zur nächsten Ausgabe werden die Bienen schon wieder einen kleinen Staat von 10.000-20.000 Bienen aufgebaut haben. Dann mehr davon...

Bei Nachfragen oder Interesse am Imkern auf Probe können Sie sich an den Imkerverein Ramerberg oder an mich persönlich wenden.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 2

 

Wenn die Temperaturen 7°C übersteigen, beginnen die Bienen mit ihren Reinigungs- und Erkundungsflügen. Die nun sterbenden Winterbienen, die das Volk über die letzten 6 Monate intakt gehalten haben, werden von neuen, kurzlebigeren Sommerbienen abgelöst. Jeden Tag legt nun die Königin etwa 300 Eier, aus welchen nach 21 Tagen junge Bienen schlüpfen. Diese werden zunächst Reinigungs- und Brutpflegearbeiten  übernehmen, bevor sie ausfliegen um Blütenpollen und Nektar für den Nachwuchs und den kommenden Winter zu sammeln. Für die Menge von nur 500g Honig müssen dabei etwa 5 Millionen Blüten im Umkreis von 1-3km beflogen werden. Grüne Wiesen und Getreidefelder ohne Kornblumen, Feldlilien, Mohn oder Kornrade stellen daher nicht nur für die Bienen traurige, öde Wüsten dar. Hier kann jeder von uns aktiv mithelfen und gezielt auf bienen- und insekten-freundliche Pflanzen zurückgreifen. (Eine Liste mit bienenfreundlichen Pflanzen für den Hausgarten kann beim Verfasser kostenlos abgeholt werden.)

Gibt es ein reichhaltiges Angebot, werden die Bienenvölker sich eine junge Königin heranziehen, die dann im Mai bis Juni mit einem Teil des Volkes auszieht und so zur natürlichen Vermehrung beiträgt. Ein idealer Start für jemanden der anfangen möchte, selber Bienen zu halten.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 3

 

Die Schwarmzeit hat begonnen! Ein faszinierendes Naturschauspiel, das schon von alters her als Symbol für die ausziehende und wieder in einen neuen Organismus eintauchende Seele gebraucht wurde –

Wenn ein Volk den Impuls zur Vermehrung bekommt, baut das Bienenvolk im Gegensatz zu den sonst 6-eckigen, kristallinen, fast waagrechten Zellen, runde und senkrecht ausgerichtete Zellen. Die darin entstehenden Larven werden von den Arbeiterinnen mit ganz besonderem Futter, dem Gelée royalle gefüttert. Aus dieser Königinnenzelle, schlüpft nach 16 Tagen  eine neue Königin. Währenddessen entsteht in der alten Königin der Impuls mit einem Teil des Volkes auszuschwärmen. Hat der Schwarm sich weit ausgedehnt, fangen die Bienen an sich auf einen unsichtbaren Wink hin wieder zu sammeln, um sich an einem, in der Nähe stehenden Baum oder Strauch, niederzulassen. Haben dann Suchbienen ein geeignetes neues Zuhause gefunden, zieht der Schwarm weiter. Da jedoch in unserer heutigen Zeit keine geeigneten Nisthöhlen in Bäumen mehr vorhanden sind, ist ein Schwarm, der am Tag des Ausziehens nicht eingefangen werden kann, meist im kommenden Winter zum Sterben verurteilt. Daher melden Sie bitte jeden Naturschwarm sofort  ihrem nächsten Imker.

Doch nicht nur die neuen Königinnen feiern in den Monaten Mai und Juni Hochzeit. Auch beim Anlegen der Wintervorräte sind dies die wichtigsten Monate. Wohl daher jenen Bienen, die von umsichtigen Landwirten umgeben sind, die nicht tagsüber bei Sonnenschein ihre blühenden Wiesen mähen, denn eine Mahd einer bienenbesetzten Wiese von nur 1ha kostet ca. 90.000 Bienen das Leben. Damit sind 3 ganze Bienenvölker verschwunden!

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 4

 

Mit der Sommersonnenwende ist auch das Bienenjahr an seinem Höhepunkt angekommen. Von nun an geht die Volksstärke wieder langsam zurück und die ersten Bienen entstehen, die das Volk durch den Winter bringen werden. Hierfür müssen Honigvorräte von 15-25kg vorhanden sein – je nach Größe des Volkes. Dies zu sammeln fällt den Bienen in einem nassen Jahr wie diesem schwer. Die Frühjahrsblüte war zu kurz und spätblühende Wiesen und Wegesränder sind rar. Deshalb suchen die Bienen nach allem, was süß schmeckt. Hier kommt es immer wieder vor, daß Altglascontainer mit unausgewaschenen Gläsern die Bienen anlocken. Leider zu deren Verhängnis, da hierbei oft Krankheiten verbreitet und übertragen werden. Deshalb die dringende Bitte an alle: Waschen Sie Honig- und Marmeladengläser zuvor aus!

Eine andere Futterquelle ist im Juni und Juli der Wald. Die meisten Bäume und vor allem die Nadelbäume beherbergen in manchen Jahren verschiedene Läuse, die den zuckersüßen Saft aus den Zweigen und Nadeln saugen. Ihr Ausscheidungsprodukt ist immer noch süß genug um der Biene Futter zu liefern. Allerdings ist die Zusammensetzung so, daß dieses Winterfutter wegen dem hohen Mineralgehalt der Biene gefährlich werden kann, da diese bei strengen Wintern nicht ins Freie kann um sich zu entleeren. Durchfall und bakterielle Erkrankungen können die Folge sein.

Doch auch bei wenig Futterangebot wird man interessanterweise kaum Bienen an seinem Kuchen finden. Hier können einem die Wespen das Leben schwer machen.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 5

 

Alles im Leben kann man von zwei Seiten betrachten – das weiß jeder. Auch in Bezug auf die Biene wird das im Herbst sehr deutlich. Und zwar am viel umstrittenen  Springkraut. Einst als Zierpflanze importiert, hat es sich inzwischen bis auf den Mittelmeerraum in ganz Europa verbreitet. Wenn auch manche die Verdrängung der einheimischen Flora befürchten, ist es für die Biene ein wahrer Segen – kann sie doch so wertvollen Blütenhonig in einer Zeit bekommen, in der sonst so gut wie nichts mehr blüht. Wer am Rande eines Bienenstandes die heimkehrenden Bienen beobachtet, kann nun dick gepuderte Bienchen erkennen, die beim Nektarsammeln in den tiefen Blüten eine „Pollendusche“ erhalten haben.

So bleibt es vielen Bienenvölkern erspart nur auf Zuckerwasser überwintern zu müssen – worüber sich natürlich auch der Imker oder die Imkerin freut.

In dieser Jahreszeit ist es nun wichtig die sogenannte Varroamilbe auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Inzwischen hat sich dieses Tier, das so aussieht wie eine winzige Zecke, nahezu überall auf der Welt verbreitet und schwächt die Bienen, indem es ihnen Blut abzapft und Krankheitskeime überträgt. Ohne Behandlung könnte kein Bienenvolk mehr überleben. Da sich die Milbe in der Bienenbrut vermehrt, können nun über 10.000 Milben im Volk vorhanden sein. Überleben davon mehr als 100 den Winter, ist das Überleben des Volkes im nächsten Jahr fraglich. Deshalb ist es für den Imker wichtig, den genauen Befallszustand zu erkennen und durch das Verdampfen verschiedener Säuren die Milbenzahl zu reduzieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage eines Wissenschaftlers, Dr. Steiner, der 1924 mitteilte, daß, wenn die industrielle Königinnenzucht so weitergehe, die Bienenzucht in spätestens 50 Jahren zugrunde gehen müsste. Ob damit auch die, seit 1977 sich in Deutschland ausbreitende Varroa-Milbe einen Zusammenhang hat, bleibt offen.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr – Teil 6

 

Mit diesem Teil beschließen wir das Jahr und unsere Betrachtungen zu dem wundervollen Lebewesen Biene.

Die Bienen sind nun für den kommenden Winter vorbereitet. Lediglich um den Jahreswechsel herum muß der Imker noch einmal aktiv werden. Da in dieser Zeit die Bienen so gut wie keine junge Brut haben, bietet sich eine gute Gelegenheit zur Behandlung der Varroamilbe. Jetzt wird Kleesäure verdampft oder geträufelt und da die Milbe sich nicht in offene Brut zurückziehen kann, muß sie den Stock verlassen. Mit je weniger Milben ein Volk in den Frühling startet, umso besser ist das Überleben im Sommer.

Doch so schwierig die äußeren Umstände auch sind, dieses wunderbare Tier Biene macht immer weiter. Selbstlos verfolgt sie ihrer Bestimmung. Sie rächt sich nicht, sie gibt nicht auf, sie verzweifelt nicht und trägt nichts nach. Nur in äußerster Not sticht sie und opfert sich – weiß sie doch, daß sie bei einem Stich das Leben lassen muß. Aber – so paradox es klingt – ohne den Menschen wäre die Biene nicht mehr überlebensfähig. Aus Versuchen geht hervor, daß von 150 Bienenvölkern ohne Eingriff des Menschen nach 5 Jahren noch ca. 5 übrig sind.

Gerade wir Menschen sind es, die durch unüberlegten Einsatz von chemischen Mitteln, durch Vereinheitlichung und Reinigung der Natur, durch Mechanisierung der Tierzucht u.v.m. die Biene zum Aussterben gebracht haben. So ist es auch jetzt an uns, nun mit einem erweiterten Bewußtsein, der Sache eine Wendung zu geben.

Alle Imker freuen sich deshalb auf Menschen, die am Imkerhobby Freude finden und so zum Fortbestehen der Bienen mithelfen wollen.

Bei Interesse können Sie bei uns auch gerne auf Probe imkern. Besuchen Sie uns einfach bei unserem Imker-Stammtisch jeden ersten Freitag im Monat ab 19.30 in der Gaststätte Bichler Ramerberg.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 7

 

Zum Honig: Die Bedeutung des Honigs geht auf alte Zeiten zurück. Funde haben belegt, dass schon 10.000 v. Chr. die Menschen Honigwaben gesammelt und gegessen haben. Honig wurde als Nahrungsmittel, Heilmittel, aber auch zu zeremoniellen Zwecken benutzt. Auch heute gewinnt Honig wieder einen zunehmenden Stellenwert in der Wundversorgung und bei Erkältungskrankheiten. Der momentane  Honigbedarf liegt in Deutschland bei ca. 1,3kg pro Person und Jahr. Das ist mit ca. 1 TL am Tag nicht einmal besonders viel. Trotzdem können von den damit benötigten 100 Millionen Kilo nur 5% von den  einheimischen Bienen bereitgestellt werden. Auch in diesem Punkt wird der drastische Mangel an Bienenvölkern, Imkern und Imkerinnen in Deutschland ersichtlich. Bevor Honig entsteht, muss die Biene Millionen von Blüten befliegen, um Nektar zu sammeln. Da dieser  einen Wassergehalt von ca. 75% hat – für eine haltbare Lagerung also viel zu nass – wird der Nektar im Bienenstock von Biene zu Biene weitergegeben und durch die Temperatur von etwa 35°C bei 40-50% rel. Feuchte getrocknet. Die dabei entstehende Feuchtigkeit wird von den Bienen durch schnelles Ventilieren mit den Flügeln aus dem Stock geschafft.  So wird der Nektar einerseits durch jede Biene mit Enzymen angereichert, andererseits auf ca. 15-20% rel. Feuchte getrocknet. So kann er in den Waben eingelagert werden und ist für den Winter haltbar. Will nun der Mensch Honig gewinnen, so kann das auf verschiedene Weise geschehen. In seiner ursprünglichen Form als Wabenhonig gekaut (das damit verspeiste Wachs ist unverdaulich und wird wieder ausgeschieden), als Presshonig oder als Schleuderhonig. Letzteres ist das derzeit am meisten verbreitete Verfahren. Da der Schleudervorgang immer bei Raumtemperatur geschieht, ist die Bezeichnung „kalt geschleudert“ veraltet und überflüssig. Allerdings bleibt bei der weiteren Behandlung eine Erwärmung nicht ohne Folgen. Schon bei einer Temperatur von 45°C fangen die Enzyme im Honig an ihre Wirkung zu verlieren. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, da es gerade Enzyme (Inhibine) sind, die z.B. die Kariesbakterien im Wachstum hemmen.

 

Bei Interesse am „Imkern auf Probe“ besuchen Sie uns doch beim monatlichen Imkerstammtisch im Gasthaus Bichler Ramerberg 20.00, jeden 1. Freitag im Monat.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 8

 

Zum Wachs: Wer kennt sie nicht, die herrlich duftenden Bienenwachskerzen am Weihnachtsbaum oder zu anderen feierlichen Anlässen. Schon zu alten Zeiten in den Klöstern wurden aus Bienenwachs Kerzen hergestellt. Kam damit doch außer Licht auch ein Hauch von Sommerwärme in die oft so kalten Klostermauern.  Dabei ahnt man nicht die ungeheure Leistung, die die Erzeugung von Wachs benötigt.

Kurz vor der Mitte ihres Lebens entwickeln sich bei den Bienen an der Bauchseite Wachsdrüsen, aus denen sie in kleinsten Mengen von nur 1/1000stel Gramm feinste, schneeweiße Lamellen auspressen. Diese Plättchen werden mit den Hinterbeinen zum „Mund“ gebracht und mit Speichelsekreten gekaut und geschmeidig gemacht. Danach wird es an Ort und Stelle festgedrückt und bei 37-40°C geglättet. So entsteht in emsiger Arbeit innerhalb von 1-2 Wochen ein kompletter Bienenbau von rund 1,2kg reinem Wachs. Die hierzu benötigte Nahrung der Bienen beträgt ganze 7,5kg Honig! Veranschaulicht man sich dazu das Gewicht einer Christbaumkerze von etwa 10g, kann einen doch ein Gefühl von Andacht und Ehrfurcht gegenüber dem Bienenwesen überkommen.

Ein weiteres Wunder besteht in der Form der Waben, die ein vollkommenes Sechseck ausbilden, bei dem die Spitze immer oben liegt, ähnlich der Form eines Bergkristalls. Die gleiche Form finden wir u.a. bei den Lilienblüten und, chemisch gesehen, bei dem Traubenzucker. Dagegen bilden z.B. alle Rosenblüten regelmäßige 5-Sterne, wie auch - wiederum chemisch - der Fruchtzucker. Beide Zucker sind Hauptbestandteile des Honigs.

Interessanterweise werden diese geometrischen Figuren in unsichtbarer Weise von den Planeten im Laufe von vielen Jahren an den Himmel gezeichnet. Ob darin vielleicht die ursächliche Kraft, die zur Erzeugung dieser Formen notwenig ist, liegen könnte?

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 9

 

Zum Pollen: Nun ist für die Bienen Hochsaison. Nicht nur, dass momentan der meiste Blütennektar gesammelt und zu Honig umgewandelt wird, auch der meiste Blütenstaub, oder Pollen genannt, kann jetzt eingetragen werden. Hier haben die Bienen eine strenge Arbeitsteilung. Manche sammeln nur Pollen, manche nur Nektar. Nur ca. 10% bringen beides mit nach Hause.

Je nach Tageszeit öffnen die Blüten ihre Staubgefäße und locken somit Insekten an. Während die Bienen den Pollen mit ihrem Pelzkleid aufnehmen, streifen sie diesen mit ihren Hinterbeinen ab und kneten ihn mittels einer speziellen Vorrichtung an den Beinen zu kleinen Pollenhöschen zusammen. So bepackt kommen sie dann im Bienenstock an. Es ist immer wieder ein Wunder, wie viele bunte Farben an Pollen es gibt und das durchaus eine weiße Blüte orangefarbenen Pollen hervorbringen kann. Im Bienenstock wird der Pollen dann in die Zellen gestampft und mit Honig versiegelt. Über eine milchsaure Vergärung bleibt er lange haltbar.

Das Besondere bei den Bienen ist ihre Blütenstetigkeit. Das heißt, dass jede Sammelbiene nur auf Blüten der gleichen Blumenart fliegt. Damit wird im Gegensatz zu anderen Insekten eine viel größere Bestäubungs-leistung erbracht, was sich dann in einem größeren Fruchtertrag deutlich macht.

Für die Bienen selber ist der Pollen wichtiger Eiweißlieferant, mit dem die junge Bienenbrut aufgezogen wird. Ganze 30kg/Jahr! braucht ein Volk von dieser fast gewichtslosen Substanz. Unzählige Sammelflüge sind hierbei von Nöten. Umso wichtiger, dass die Bienen hierbei auf Blüten treffen, die keine chemischen Spritzmittel abbekommen haben. Neben der direkten Schädlichkeit für die Bienen, können diese Gifte auf diesem Wege unbemerkt in den Honig gelangen. Zum Glück wissen immer mehr fortschrittliche Landwirte inzwischen, dass man auch völlig ohne diese Spritzmittel auskommen kann und verzichten bewusst zum Wohle aller auf deren Einsatz. Es bleibt zu hoffen, dass bald bei allen dieses Umdenken einsetzt und unsere Gesundheit vor den Profit gestellt wird.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 10

 

Man mag es kaum aussprechen, aber nun, mitten im Sommer, ist die Blütensaison schon seit 4 Wochen abgeschlossen. Wohin man auch sieht – nur grüne Wüsten. Gedankt sei denjenigen, die bewusst Blühstreifen oder Wegränder ungedüngt lassen, um noch ein Notreservoir an Blüten zur Verfügung zu stellen. So freut es mich besonders, dass die Gemeinde Ramerberg eine von ihr ungenutzte Ausgleichsfläche in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Imkern und Jägern mit einer Blütenmischung bestellt hat, die sowohl den Bienen, als auch dem Wild eine wertvolle Nahrungsquelle bietet. Wieso aber sind die Blumen aus unseren Feldern verschwunden? Viele von Ihnen werden sich noch an die Zeit vor 1960 erinnern, als die Felder bunt waren. Mit dem Aufkommen der Insekten- und Pflanzenvernichtungsmittel in den 60-er Jahren mussten die Blühpflanzen und viele Insekten der materiell orientierten Landwirtschaft weichen. Bis heute sterben viele Bienenvölker an dem Einsatz von unnötig ausgebrachten Chemikalien. So erst im letzten Monat in Leverkusen, wo 20-30 Bienenvölker an den Folgen von Insektenvernichtungsmitteln gestorben sind.

Doch nicht nur der direkte Schaden dieser Mittel ist von Belang. Mit dem Rückgang von Blühpflanzen sinkt auch das Angebot an Pollen, der eine wichtige Eiweißquelle für die Insekten darstellt. Vom Menschen wissen wir, dass ein Rückgang in der Eiweißversorgung, wie z.B. in Kriegszeiten, Infektionskrankheiten nach sich zieht. Bezüglich der Varroamilbe ist inzwischen bekannt, dass der Schaden nicht so sehr in der Milbe selber zu suchen ist, sondern in den von ihr übertragenen viralen Erkrankungen. Es wäre also sehr gut möglich, dass die Anfälligkeit für diese Krankheiten in direktem Zusammenhang mit dem Rückgang an Blüten steht.

So bleibt uns neben eigenem Anbau von Blütenpflanzen in unseren Gärten nur übrig, gezielt diejenige Landwirtschaft zu unterstützen, die auf derlei Gifte freiwillig verzichtet.

 

Hierbei darf ich Sie herzlich zu unserem Ausflug am 26.7.14 nach Grafenau einladen. Besichtigt wird zunächst ein wachsverarbeitender Betrieb, der viele Imker aus der Region beliefert. Für die Nichtimker steht dann noch eine kleine Glasbläserei auf dem Programm, wo jeder, der mag, selber eine Glaskugel blasen darf. Neben einer Brotzeit im Bus, werden wir mittags und abends einkehren, um für das leibliche Wohl zu sorgen.

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 11

 

Schon viele Jahrtausende vor Christi Geburt gab es Bienen. Interessanterweise leben aber die meisten solitär für sich. Von den 25.000 verschiedenen Arten bilden nur etwa 10% soziale Gemeinschaften, wie unsere Honigbiene. Schon 12.000 v. Chr. fingen die Menschen an, Bienen zu halten. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen sind aus dem alten Ägypten von 2400 v. Chr. erhalten. Eine Kulturepoche später im antiken Griechenland waren bereits Honig und Wachs wichtige Kulturgüter und im alten Rom gab es bereits Berufsimker. Eine weitere Hochblüte erlebte die Imkerei dann im Mittelalter. Aus dem Burgunden-Recht (470 n.Chr.) zum Beispiel, geht hervor, dass ein Bienenvolk den gleichen Wert hatte, wie ein Schwein, oder eine Kuh. Durch den zunehmenden Bedarf an Kerzen wuchs das Wachs enorm an Wert und die Bienenhaltung wurde unter Karl dem Großen (800 n.Chr.) an den kaiserlichen Landgütern zur Pflicht.

Bereits 1500 n.Chr. wurden in der Wittenberger Schloßkirche jährlich unglaubliche 18.000 kg Wachs verbrannt. Der Wachspreis schnellte in die Höhe und wurde zu einer harten Währung. 500g Wachs kosteten damals 40 Pfennige. Zum Vergleich: 500g Fleisch kosteten 4 Pfennige und der Tageslohn eines Schreiners betrug  24 Pfennige.

Geimkert wurde hauptsächlich in Strohkörben und ausgehöhlten Baumstämmen. Das sogenannte Zeidelwesen war hoch angesehen und die Imker (Zeidler) waren privilegierte Bürger.

Mit dem 30 jährigen Krieg und der Pest ging die Imkerei stark zurück. Erst durch die Technisierung im 19. Jh und der Erfindung der Holzbeuten mit herausnehmbaren Rähmchen fand die Imkerei einen erneuten Aufschwung. Bienenvölker wurden künstlich vermehrt, auf bestimmte genetische Merkmale gezüchtet und über die Welt verteilt. Doch die Zeiten, in denen die Biene reines Nutztier war, dessen sich der Mensch bedienen kann, sind vorbei. Heute gäbe es keine einzige Honigbiene mehr, wenn sich nicht  Menschen um die Biene kümmern würden. Zu verheerend sind die Krankheiten und Milbenseuchen geworden. Deshalb freuen wir uns ganz besonders, immer wieder neue Imker und Imkerinnen in unserem Verein begrüßen zu dürfen. Kommen Sie doch einfach zu unserem Stammtisch jeden ersten Freitag im Monat im Gasthof Bichler in Ramerberg. Wir und die Bienen würden uns freuen.

 

 

Mit den Bienen durch das Jahr - Teil 12

 

Zum Abschluß dieser Reihe über die Bienen möchte ich noch gerne den mythologischen Hintergrund dieses wunderbaren Tierwesens etwas beleuchten.

Schon zu alten Zeiten wurde die Biene mit der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. So wurde im Demter-Heiligtum von Eleusis die Priesterin Melissa (= griechisch: Biene) von der Göttin Demeter (Göttin der Fruchtbarkeit) in die Mysterien eingeweiht. In der Folge hießen die Priesterinnen in antiken Mysterienstätten „Bienen“. Sie galten als Gesandte der Götter, verfügten über ein natürliches Hellsehen und waren rein und keusch. (keusch stammt von lateinisch: conscious und bedeutet mitwissend, eingeweiht, sich der christlichen Lehre bewusst.) Der Oberpriester hieß übersetzt „Bienenweiser“. Heute noch wird die Königin eines Bienenvolkes als „Weisel“ bezeichnet. Auch die biblische Prophetin hieß auf hebräisch Deborah, was übersetzt Biene bedeutet.

Viele Mythen gehen zurück in die Zeit der ägyptischen und griechisch-römischen Kulturepoche. Damals stand die Sonne zum Frühlingsanfang am Übergang vom Sternbild des Stieres zum Sternbild des Widders. Erstaunlicherweise wurde der Stier damals „Apis“ genannt, der gleiche Name, den heute wissenschaftlich die Biene trägt. Und es ist wie ein kleines Wunder, dass man gerade an Heilig Abend, wenn man am Sternenhimmel genau nach Süden blickt, zwischen den Sternbildern des Stieres und des Widders das Sternbild der Biene erblickt.

Steht dann etwa ein halbes Jahr später im Mai-Juni die Sonne mittags im Sternbild des Stieres, schwärmen die Bienen – ein altes Symbol für die ausziehende und sich wieder neu inkarnierende Seele des Menschen.

In vielen alten Gemälden galt der Bienenkorb als Symbol der heiligen Maria. Der heilige Geist habe in der Jungfrau eine Wabe vorbereitet, die mit der Liebe und Heiligkeit Christi gefüllt wurde.

So symbolisiert die Osterkerze noch immer den Leib Christi. Das stoffliche Wachs wandelt sich zu Licht, so wie der Leib Christi durch den Erdentod seinen Geist dem Umkreis der Erde mitteilte. Hier ist man nicht weit davon entfernt, die Biene mit der göttlichen Liebe in Verbindung zu bringen und tatsächlich findet man in der Geisteswissenschaft die Aussage, dass die Luft in einem Bienenstock „ganz von Liebe durchschwängert“ sei. Nicht verwunderlich, wenn man den in hohem Maß  sozialen und vollkommen gestalteten Umgang der Bienen untereinander bedenkt.

Wäre es denkbar, dass uns die Bienen gerade dazu  geschickt wurden, um uns dieser selbstlosen Liebe ein Stück näher zu bringen?

 

 

Aus dem Imkerverein

 

Wieder geht ein Bienenjahr der Neige zu. Gott sei Dank konnten die Bienen dieses Jahr trotz der Trockenheit wieder mehr Nektar finden.

Dennoch war es zu wenig, um genug Wintervorräte anlegen zu können. Wo in der Nähe kein Springkraut blühte, mußten die Völker mit 15 kg Zucker / Bienenvolk versorgt werden, um durch den Winter zu kommen.

Wenn man bedenkt, daß für 500g Honig je nach Pflanze mehrere Millionen! Blüten beflogen werden müssen, wird leicht ersichtlich, daß in unserer momentanen Landschaft viel zu wenig Blühpflanzen vorhanden sind.

Erfreulicherweise haben vorrausschauende Landwirte dieses Problem erkannt und Zwischensaaten oder Blühstreifen angesät. Diesen sei hier der allerherzlichste Dank ausgesprochen!

Wir hoffen, daß noch viele dem guten Beispiel folgen und unsere Umwelt nächstes Jahr mit noch mehr Blumen, Sträuchern und Obstbäumen bereichern werden.

Gerade manche Landwirte stehen unter einem großen finanziellen Druck und hier braucht es viel Mut, die guten Absichten auch in die Tat umzusetzen. Letztendlich bleibt uns aber gar nichts anderes übrig, als hier energisch eine Wende einzuleiten, wenn wir unsere Umwelt nicht der Vermaterialisierung und Verödung ausgesetzt sehen wollen.

Schön ist es zu sehen, daß der Biene in den letzten Jahren wieder soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird, daß der Imkerverein Ramerberg inzwischen auf über 70 Mitglieder angewachsen ist. Dennoch freuen wir uns auch weiterhin über alle Menschen, die am Imkern Freude finden und die Umwelt mit Bienen bereichern wollen.

Bei Interesse können Sie bei uns auch gerne auf Probe imkern. Dabei steht Ihnen dann ein erfahrener Imker zur Seite und Sie bekommen ein Bienenvolk gestellt, das Sie, wenn Ihnen das Imkern zusagt, behalten dürfen.

Besuchen Sie uns doch einfach bei unserem Imker-Stammtisch jeden ersten Freitag im Monat ab 19.30 in der Gaststätte Bichler in Ramerberg.

 

Thomas  Wimmer, Tel.: 08039/9071902

 

 

 

Author: 
Thomas Wimmer